Ampelografische Beschreibung der Rebsorte

Lindenblättriger

nach Georg Paul Weiss

Der Lindenblättrige war im Seenwinkel eine dominierende Sorte von hoher Qualität, denn nicht umsonst ist diese Sorte eine Grundlage des weltbekannte Tokayers. Nur aus heute nicht mehr näher erklärbaren Gründen bestimmten Beamte, welche Sorte zugelassen wird d.h. mit ihrem Namen am Etikett bezeichnet werden darf und als Qualitätssorte behördlich anerkannt ist. Sollten doch noch andere Sorten stehen, dürfen diese nur als Land und Tagwein ohne Sortenbzeichung verkauft werden. Beim Lindenblättriger war es völlig klar: Als das Burgenland 1921/22  zum Staatsgebiet Österreich kam, durfte nichts an die Ungarische Vergangenheit erinnern. Wenn Sie im Seewinkel suchen, werden Sie sogar reine Weine aus dem Lindenblättrigen finden wenn auch nur als Tafel oder Landwein. Nur zur Info: die große französische Sorte Semillon findet sich 1910 in den Ernteberichten von der Weinbauschule Klosterneuburg als normale Sorte in den heimischen Weingärten. (Wurde später als für Nicht-Qualitätsweinbau-geeignet aus dem Sortenkataster genommen.)

 

Synonyme: Harslevelü in Ungarn, Tschechien und Jugoslawien: Lipovina;

Herkunft: Alte ungarische Sorte. Wahrscheinlich durch natürliche Befruchtung entstanden.

Ordnung: Vitis vinifera –  convarietas pontica – subconvar. balcanica – provar. microcarpa – subconvar. zemplenica

Geschichte: Kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kultivierung.

Verbreitung:
Ursprünglich in allen Weinbaugebieten der Monarchie verbreitet. Heute ist die Sorte leider deutlich zurück gedrängt worden. Man findet sie jedoch an den Hängen um Tokaj, oft auch gemischt gepflanzt mit Furmint. Kleinere Flächen finden sich auch im Erlauer Gebiet, an den Hängen um Matra und rund um Villany.

Beschreibung:
Starkwachsende Sorte mit einer mittleren Anzahl aufrecht stehender Ruten. Das Internodium ist gelblichbraun gefärbt, teils gemustert, auffällig gefurcht, rau, mittellang, mitteldick, walzenförmig. Der Knoten ist etwas dunkler gefärbt. Das Auge ist mittelbraun, zugespitzt, mittelgroß. Der junge Trieb ist filzig wollig überzogen, rötlich-grün. Die Triebspitze ist eben so filzig wollig, grün; die Blattfläche zeigt sich konkav gedehnt.
Der Blütenstand ist dreifach verzweigend. Die Blüte ist bi-geschlechtlich, kugelförmig mit mittelgroßem Fruchtknoten. Das Blatt ist mittelgroß, kaum gelappt, so lang wie breit, wellig, grasgrün, fest, fettig, kaum glänzend. Die Schulterbucht ist mitteltief, offen. Blattoberfläche glatt, Unterseite wollig behaart. Der Blattrand ist spitz bezahnt. Der Stiel ist wollig, bräunlich-grün, kurz.
Die reifende Traube ist astig, locker, sehr lang, sehr groß mit langem Traubenstiel. Die Beere ist rund, klein, weiß, gepunktet, kaum bereift, vielkernig. Das Fruchtfleisch ist weich, saftig, schmelzend. Der Geschmack ist neutral, die Schale mitteldick. Der Kern ist länglich, klein, kastanienbraun. Sprießt und blüht eher zu mittlerem Zeitpunkt, reift spät. Braucht daher eine lange Vegetationszeit.

Biologische Eigenschaften:
Eine starkwüchsige Sorte mit guter Fruchtbarkeit, gutem Ertrag und hohem Zuckerbildungsvermögen. Lange Ertrags- und Lebensdauer. Etwas  frost- und trockenheitsempfindlich. Die Pilzempfindlichkeit ist hoch.

Technologische Charakteristik: Handlese ist durch den Traubenaufbau günstig und geht rasch voran.

Weincharakteristik:
Sehr duftig, angenehme und auffällige Aromatik, genügend Körper, ein wenig herb, feine Säure. Guter Tischwein zu Braten, aber auch Ausleseweine sind möglich. Neben Furmint und Gelbem Muskateller am Tokajer Aszu-Wein beteiligt.

Wirtschaftliche Charakteristik:
Sehr wertvolle Produktionssorte. Die Ernteerträge liegen bei ca.  12.000 kg.
Die Auspflanzung sollte lokal gefördert werden.

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Über den Autor Georg Paul Weiss:
Er ist als Önologe, Lehrer und als Berater für weinbauliche und kellerwirtschaftliche Fragen tätig und ist Initiator des Rebenzüchtungsprojekt, welches gemeinsam mit Frau Dr. Mayer entstanden ist.

Kontaktdaten Ing. Georg Paul Weiss:
Untere Quergasse 19
7122 Gols
Tel.: 0043-2173-2409
Mobil: 0043-664-738 385 41

Homepage: www.rebenzuechtung.at/rebezuechter.php
email: Rebzuechtungweiss

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