Jede Schlagzeile, ob im Internet, den Medien oder in Sozialen Netzwerken, verkündet Ansichten; viele davon aus dem Moment heraus entstanden oder aus einem Kontext herausgelöst. Und sie bilden Meinungen, die in oftmals in Lobbys enden.

Gleich vorweg eine Frage: Was ist giftiger – Glyphosat oder Biobrokkoli?

Ist das verrückt?

 

Nicht durch Düngemittel oder belasteten Boden nimmt der Krokkoli Dioxin auf, die natürlich enthaltenen Senföle werden in Indol-3-Carbinol umgewandelt, das der Gruppe der Dioxine angehört.
Nicht durch Düngemittel oder belasteten Boden nimmt der Brokkoli Dioxin auf, die natürlich enthaltenen Senföle werden in Indol-3-Carbinol umgewandelt, das der Gruppe der Dioxine angehört.

Biologisch gezogener Brokkoli weist den 1.500 fachen toxikologischen Referenzwert an Dioxinen auf (genauer Indol-3-Carbinol, welches den Dioxinen zugerechnet wird). Stimmt das, oder ist das der Irrsinn eines Chemie-Lobbyisten?

 

Eine vom Mutterkornpilz befallene Roggenähre (Bildquelle: www.wikipedia.org)
Eine vom Mutterkornpilz befallene Roggenähre (Bildquelle: www.wikipedia.org)

 

Ein Beispiel: Der Mutterkornpilz bei Roggen, Weizen oder Dinkel. Das Mutterkorn (hier genügen 10 Gramm) ist eines der tödlichsten Gifte. Die Folgen: Atemlähmung, Absterben der Gliedmaßen – und Ende.

Der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) ist im Korn- bzw. Getreideanbau normal und gehört zum Alltag. Würde man nicht geeignete Maßnahmen treffen (die für Bauern ganz selbstverständlich sind) ergäbe seine Existenz ein Massensterben.

Der Landwirt ist gezwungen, etwas dagegen zu tun. Er kann die Gefahren, die vom Umfeld ausgehen minimieren – aber niemals jede einzelne Kornähre prüfen (also beizen). Große Mühlen haben dagegen technisch aufwendige Lösungen gefunden, um Mutterkörner zu finden und aus dem Getreide zu lösen. Lösungen, über die ein Bauer der selbst Mehl herstellt, natürlich nicht verfügt – also ist höchste Sorgsamkeit geboten.

Es ist sehr sehr schwierig, hier das richtige Maß zu finden; der chemischen Industrie und der Pharmaforschung verdanken wir zwar einerseits das Überalterungsproblem, aber natürlich auch Contergan, E605 oder DTD. Gerade jetzt ist eine Diskussion über Duogynon hochaktuell: ein Hormonpräparat (Norethisteron in Kombination mit Ethinylestradiol), das von der deutschen Schering AG vertrieben wurde und, in der frühen Schwangerschaft eingenommen, zu toten und missgebildeten Kindern führte. Der Spiegel berichtete (Ausgabe Nr. 27 aus 2016), und man geht davon aus, dass der Konzern über diese teratogenen Produkteigenschaften Bescheid wusste, aber die ganze Sache stillschwieg und das Produkt trotzdem weiter verkaufte.

In Österreich hatte die Firma Bayer AG 2015 bei einem Pflanzenschutzmittel riesige Probleme und musste das Produkt – das Fungizid Luna – rasch vom Markt nehmen.

 

 

Wie kann man sich – angesichts all dieser Meldungen – eine fundierte Meinung bilden?

 

Sehr sehr schwer; da gibt es zum einen die natürlichen Gifte (wie z.B. in der Himbeere, oder auch in der Muskatnuss – die bei Überdosierung sogar tödlich sein kann), die extrem sind und zum anderen die chemische Industrie, die allzu oft schweigt und Probleme mit ihrer Werbe- und Insertionskraft vernebelt.

Greenpeace basiert auf jährlich 6,8 Millionen Euro an Spenden aus Österreich, Global 2000 „nur“ auf ca. 2,8 Millionen – und sie leisten damit mit Sicherheit große Verdienste.

Aber bei Problemen wie dem HCB-Skandal in Kärnten (der wissenschaftlich gesehen keiner ist), muss man sich vor Augen halten: der HCB Gehalt der Milch, die aus dem Verkauf genommen wurde, lag bei 0,02 mg/kg (erlaubt sind maximal 0,01mg/kg) – in der Steiermark ist jedoch für Kürbiskernöl ein Wert von 0,04 mg/kg erlaubt – also das Vierfache. Auch Fleisch dürfte mit 0,02mg/kg noch verkauft werden. Doch genau so etwas bietet sich an, um Umweltkompetenz über Medien zu transportieren die wieder in wirtschaftlichen Hilfen für seltsame Umweltaktivisten enden. HCB ist an sich ein Beizmittel, das im Getreideanbau eingesetzt wurde (siehe Mutterkorn).

Warum wir diesen Dialog suchen:

Einseitige Berichterstattung schadet uns; bei Bio-Ansichten, bei der Industrie und auch bei vielen Menschen, die sich nur mit der Oberfläche – also mit den Headlines – befassen.

Der Versuch ist es uns jedenfalls wert – bis zu 14 mal das Schwermetall Kupfer in den Weingarten einzubringen das ist „bio“ – nun wird versucht, mit Phosphoriger Säure, Kalium Phosphonat (das nun in einem Versuch im Staatsweingut Bad Kreuznach getestet wird) das Kupfer-Problem bei Mehltau zu lösen. Kalium Phosphonat steht aber im begründeten Verdacht, Osteoporose auszulösen – ironischerweise haben gerade Menschen, die sich vermehrt von billigem Fastfood ernähren (hier werden Phosphate als Konservierungsmittel, Emulgator, Stabilisator uvm., eingesetzt – Beispiel Schmelzkäse) einen erhöhten Phosphatwert (vgl. www.spiegel.de vom 10.07.2012: “Lebensmittelzusätze: Ärzte warnen vor künstlichem Phosphat”). Ist das also klug? Hier wäre ein systemisches Mittel sinnvollerweise wohl eher das Mittel der Wahl – denn es gibt hier solche, die keine unmittelbaren Gefahren auslösen, nur: dann ist es eben nicht mehr „bio“…

 

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